
Die Kurhalle Oberlaa, finster. Die Bühne, ruhend
im sanften Licht. Die Instrumente, wartend, geschlagen, gezupft,
gestreichelt zu werden, Armaturen eines Raumschiffs, bereit
abzuheben in die Vergangenheit. Aus der Ferne, das Grollen der
Bläser, die Melodie, "Also sprach Zarathustra", geliehen von Richard
Strauss, in die Gehörgänge gebrannt von Stanley Kubrick und seiner
filmischen "Odyssee im Weltraum". Was folgt, ist mehr eine
Punktlandung, aber trotzdem, Abheben ist auch dabei. Ein Wesen,
nicht mehr von dieser Welt, erscheint, weil es nicht kommen konnte,
mit aller multimedialer Wucht. Drei große Leinwände, ein Gesicht,
Elvis Presley fetzt los. "Oh See, See See Rider".
Songs
aus der Hüfte
Die Band fetzt mit, das Orchester im
Hintergrund, der Chor. Der Mann, den sie den König des Rock ´n Roll
nennen, weil er seine kräftigen Songs vorwiegend aus der Hüfte
schoss, gibt die Richtung vor. Er dirigiert, er bedeutet seinen
Musikern, wann es loszugehen hat, seine Gestik peitscht sie zum
Finale. Er scherzt, spricht zum Publikum, erzählt aus seinem Leben.
Und das ist nicht selbstverständlich, der Mann ist seit 24 Jahren
tot.
"Elvis - The Concert" gastierte am Montag in Wien, und
es war ein bisschen wie Auferstehung eines höchst Lebendigen. Die
Musiker, die ihn begleiteten, waren jene, die ihn auch bei seinen
Tourneen in den 70er-Jahren begleitet hatten. James Burton an der
Leadgitarre, Glen D. Hardin am Piano, Jerry Scheff am Bass, Ronnie
Tutt am Schlagzeug. 30 Jahre haben sie ergrauen lassen, ihr
Vermögen, die Musik des King zu zelebrieren, ist nach wie vor im
grünen Bereich. Die "Sweet Inspirations" und die "Imperials",
vier Damen und drei Herren, mehr als Stimmen aus dem Background,
wenn ihr Meister seine heimliche Liebe, den Gospel,
becirct. Technisch und choreographisch ist diese Show ein kleines
Wunderwerk, oder ein Werk, über das man sich zwei Stunden lang
wundern kann, je nachdem. Das Material hat man von drei
Konzertfilmen und einem TV-Special bei seinem Live-Comeback 1968
entnommen, die Stimme isoliert, die Musiker spielen "on stage". Die
atmosphärische Dichte, die dadurch entsteht, wird nur dann löchrig,
wenn du den Blick, wie du es bei anderen Rockkonzerten automatisiert
hast, der Videoleinwand entziehst, um den Interpreten auf der Bühne
zu suchen. Was du dann findest, ist viel Platz zwischen dem
Gitarristen und dem Bassisten, aber keinen Interpreten,
selbstverständlich. Eine Tatsache, die du nach wenigen Songs zu
negieren beginnst, weil du eine Ahnung bekommst von jener Magie, mit
der der Sänger Elvis Presley, vor allem aber der Performer in ihm zu
fesseln vermochte. Als sich der Hauptdarsteller zu "Suspicious
Minds" die Stimme aus dem Leib schüttelte, war auch das Publikum
völlig losgelöst. Die Leute, die zuvor gesessen waren, drängten an
den Bühnenrand, um IHN zu feiern. Sie feierten sie, die Band, die
Show. Zurecht.
( von Thomas Arnoldner ) |